Orte

Halle (Saale) – Kunst, Architektur und Lebensstil

Die Orte für modernes Bauen in Halle (Saale) sind vielfältig und besonders. In den 1920er-Jahren avancierte die Stadt zu einer aufstrebenden, modernen Industriemetropole im mitteldeutschen Raum: Bergbaugebiete im Umland, chemische Industrie, Flugzeugbau, Industrialisierung der Landwirtschaft und Salzgewinnung waren wichtige Katalysatoren. Heute bieten sich vielfältige Ansatzpunkte für das Thema Moderne in Halle (Saale) wie Siedlungsarchitektur, Verwaltungs- und Verkehrsbauten, Geschäftsund Gesellschaftsbauten, Schulen und Kirchen sowie privaten und öffentlichen Bauten. Wie differenziert die Moderne in der Stadt gewesen ist, verdeutlicht die einzigartige Kunstschule Burg Giebichenstein, die 1915 unter Paul Thiersch aufgebaut wurde und 1925 namhafte Bauhäusler, u.a. Gerhard Marcks, aus Weimar nach Halle (Saale) zog.

BURG GIEBICHENSTEIN KUNSTHOCHSCHULE HALLE

1915 übernahm der Architekt Paul Thiersch die damalige Handwerkerschule und reformierte sie nach den Grundsätzen des Deutschen Werkbundes. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Burg zur bedeutendsten künstlerischen Ausbildungsstätte neben dem Bauhaus. Die Burg ist heute eine renommierte Design- und Kunsthochschule. www.burg-halle.de

KUNSTMUSEUM MORITZBURG HALLE (SAALE)

Die bereits um 1500 errichtete Moritzburg zählt heute zu den wichtigen deutschen Museen für die moderne Kunst im 20. Jahrhundert. Mit seiner neuen Sammlungspräsentation „Wege der Moderne“ präsentiert das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt seine einzigartigen Bestände in einem faszinierenden architektonischen Ambiente und einer modernen, Neues wagenden Inszenierung. www.kunstmuseum-moritzburg.de

GIEBICHENSTEINBRÜCKE

Die Giebichensteinbrücke zählt zu den bemerkenswertesten Zeugnissen historischer Brückenbaukunst. Die in konstruktiv-technischer, ebenso künstlerischer Hinsicht herausstechende Brücke hat noch heute eine zentrale Bedeutung im halleschen Straßennetz. Zudem ist die Brücke Station der Grand Tour der Moderne. Die Brücke wurde 1927/28 errichtet und 1949 sowie 1994/95 saniert. Beteiligt daran waren das Städtische Bauamt in Halle, vertreten durch Adolf Heilmann, Johannes Motsch, Clemens Vaccano, sowie die Architekten Paul Thiersch, Gerhard Marcks und Josef Gobes. www.halle-tourismus.de

GROSSGARAGE SÜD

Der Architekt und Bauunternehmer Walter Tutenberg errichtete mit der Großgarage Süd, am Rand der Luthersiedlung im Süden der Stadt Halle (Saale), ein straßenbildprägendes Parkhaus nach amerikanischem Vorbild mit 150 möglichen Stellplätzen. Das Gebäude, in Stil und Funktion des Neuen Bauens errichtet, war seiner Zeit der Architektur weit voraus und zählt zu einem der ältesten Parkhäuser Deutschlands. Entstanden in den Jahren 1927/28 und von 2007 bis 2011 saniert, ist dieses verkehrshistorisch wertvolle Gebäude ein Ort auf der Grand Tour der Moderne.  www.halle-tourismus.de

PFARRKIRCHE „ZUR HEILIGSTEN DREIEINIGKEIT“

Die katholische Pfarrkirche „Zur Heiligsten Dreieinigkeit“ befindet sich im Süden von Halle (Saale) unweit des Lutherplatzes und erregte zur Zeit ihres Baus 1929/30 großes Aufsehen, denn der Grundriss der vom Architekten Wilhelm Ulrich errichteten Kirche war sechseckig (hexagonal) angelegt. Dem Architekten gelang in der Synthese expressionistischer und sachlicher Raumgestaltung ein architektonisch einzigartiger, origineller Sakralbau. www.halle-tourismus.de

Allgemeine Ortskrankenkasse AOK

Das AOK-Gebäude in Halle (Saale) zählt zu den architekturgeschichtlich bedeutsamen und überregional weithin bekannten Beispielen einer progressiv orientierten Architektur des Neuen Bauens. Es wurde von 1929 bis 1931 nach Plänen des Architekten Martin Knauthe errichtet und gilt als eine der wohl wichtigsten modernen halleschen Architekturleistungen. Dank einer aufwendigen Sanierung im Jahr 2005 zeigt es sich heute nahezu im Erscheinungsbild seiner Entstehungszeit.

Schwarz-Weißes Luftbild des Gebäudes AOK in Halle
Schwarz-Weiß-Foto des Ratshofs in Halle/Saale. Ein fünfstöckiges Gebäude an einem großen Platz. An der Ecke erhebt sich ein Turm. Der Eingangsbereich ist als fünfteiliges Tor gestaltet.

Ratshof

Der Ratshof in Halle (Saale) – errichtet von 1928 bis 1930 – befand sich ursprünglich nicht direkt am Marktplatz. Durch die Zerstörung des Rathauses und der Ratswaage kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges und nach Abriss des Rathauses 1948 trat der Ratshof aus der zweiten Reihe nach vorn. Heute besticht er platzbildprägend bereits von Weitem durch seine Werksteinverblendung in nüchtern-monumentalen Formen mit Stilelementen des Neuen Bauens, des Expressionismus und des Neoklassizismus. Als Architekten fungierten Wilhelm Jost,Philipp Löhr, Walter Nell und Theo Swillens.

An der Ausgestaltung des Ratshofes waren in erheblichem Umfang die Werkstätten der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein beteiligt. An der Südostecke fungiert noch heute ein quadratischer Eckturm mit Pyramidenhelm als Point de Vue zur Leipziger Straße, der zusätzlich mit fünf überlebensgroßen Standfiguren die südwestliche Turmkante als Blickfang bestimmt. Die Figuren entstanden nach Entwürfen und Modellen des Bildhauers, Metalleurs und Hochschullehrers der Burg Giebichenstein Gustav Weidanz. 

Transformatorenstation

Die Transformatorenstation am Universitätsring gehört zu den kleineren Umspannwerken, die Ende der 1920er-Jahre im Zuge der Modernisierung der Stromversorgung in Halle (Saale) errichtet wurden. Das flach gedeckte Gebäude hat Stadtbaurat Wilhelm Jost leicht nach Osten in die Breite des Universitätsrings verschoben, wo es als prägnanter Blickfang zur Geltung kommt. Ursprünglich wurde die Trafostation nicht nur als technische Anlage genutzt. Sie beherbergte auch eine städtische Bedürfnisanstalt mit Erste-Hilfe-Station sowie einen Kiosk, eine Telefonzelle und einen Zeitungskiosk. An der Südwestecke der Trafostation befindet sich noch heute die erste Synchronuhr der Stadt nach AEG-System, die in zwei Richtungen die Zeit anzeigt.

Schwarz-Weiß-Foto einer Transformatorenstation. Ein flaches Gebäude mit einer großen Uhr an der Gebäude-Ecke. An der Betrachterseite ist ein Zeitungskiosk zu sehen. Mehrere Menschen betrachten die Auslage.
Schwarz-Weiß-Bild eines Wasserturms, des Wasserturm Süd in Halle/Saale. Der Wasserturm ist aus der Froschperspektive fotografiert und ragt aus Sicht des Betrachters weit in die Höhe.

Wohnanlage am Lutherplatz mit Wasserturm Süd

Die Siedlung am Lutherplatz in Halle (Saale) stellt heute ein eindrucksvolles Beispiel für den an traditionellen und expressionistischen Architekturformen orientierten genossenschaftlichen Wohnungsbau der Weimarer Republik dar. Sie erhielt in der Zeit von 1927 bis 1936 unter Mitwirkung von Wilhelm Freise, Wilhelm Jost und Oskar Muy ihr heutiges Aussehen. 

Das Zentrum der Luthersiedlung bestimmt unweigerlich der monumentale Wasserturm Süd, der die Trink- und Brauchwasserversorgung im Süden der Stadt regelte. Der etwa 46 Meter hohe, zehneckige Turm beherbergt einen Wasserbehälter mit einem Fassungsvolumen von 2 000 Kubikmetern. Mit dem zeitgleich ebenso von Stadtbaurat Wilhelm Jost errichteten Umspannwerk stellt der Wasserturm Süd eines der wichtigsten Denkmäler der Technikgeschichte in Halle (Saale) dar.

Bauhaus 100Bauhaus 100